In den letzten 10 Monaten wurden die sogenannten neuen Berufsprofile Engagementförder:innen, Ritualbegleiter:innen und Pionier:innen in der Diözese Graz-Seckau vom Institut für Pastoraltheologie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Bernd Hillebrand, der Projektmitarbeiterin Andrea Batljan M.A. und der studentischen Mitarbeiterin Agnes Pfefferkorn evaluiert.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die neuen Berufsprofile die Kirche erneuern können, wenn sie noch vernetzter zusammenarbeiten und weiter eine Kirche der Beteiligung fördern. Engagementförder:innen stärken eine Kultur des Engagements als Fundament künftiger Kirche, Ritualbegleiter:innen richten spirituelle Angebote am Leben der Menschen aus, Pionier:innen entwickeln neue Formen von Kirche .
Alle drei Profile leiden unter Zeitknappheit, da Beziehungs- und Kontaktnetze aufgebaut werden müssen, was mit befristeten 50%-Stellen kaum leistbar ist. Die Befristung erzeugt teilweise Druck, Projekte in fünf Jahren zu etablieren oder zu finanzieren.
An den neuen Berufsprofilen wird deutlich, dass sich Kirchenbilder verändert haben. Ekklesiologisch passen diese Profile nicht mehr in das Bild einer Familien- oder Klerikerkirche, sondern verlangen eine inklusive, netzwerkartige Kirche mit flachen, kooperativen Leitungsstrukturen und synodalem Ansatz ohne klerikale Entscheidungsmonopole.
Die Wirksamkeit hängt allerdings stark von den einzelnen Personen ab: Engagementförder:innen brauchen Kompetenz im Aufbau neuer Netzwerke, Ritualbegleiter:innen kreative Kommunikationsfähigkeit, Pionier:innen Mut zu Risiko und Vernetzung. Um einer exklusiven Personenzentrierung zu begegnen, sind Leitungsteams nötig, die Verantwortung breiter verteilen und grundsätzlich im Team arbeiten.
Bisher arbeiten die neuen Profile noch stark nach innen, binnenkirchlich. Kooperationen mit säkularen Partner:innen und Menschen außerhalb der kirchlichen Gemeinden müssten intensiviert werden. Teamarbeit und teamübergreifende Kooperationen könnten grenzüberschreitende Projekte ermöglichen, die soziale und spirituelle Nöte wahrnehmen und bearbeiten.
Alle neuen Berufsprofile wünschen sich intensiven kollegialen Austausch und fachliche Weiterbildungsangebote, da sie in neue Handlungsroutinen aufbrechen. Begleitung wird auf drei Ebenen gesehen: Fachaustausch und Netzwerkbildung, fachliche Expertise durch Referent:innen und persönliche Reflexion, etwa durch berufsbegleitende Supervision in den ersten beiden Jahren.
Zwischen Diözesanebene und Akteur:innen gibt es teils divergierende Wahrnehmungen, mitunter idealisierte Einschätzungen und das Festhalten an vertrauten Kirchenbildern. Gemeinsame Lernwerkstätten könnten Theorie und Praxis, verschiedene Ebenen und theologische sowie pastorale Fragen neu miteinander verschränken und ekklesiologische Klärungen zu Amt, Sakrament und Haupt-/Ehrenamt anstoßen. Der Erfolg von zukünftiger Pastoral entscheidet sich ausgehend von den drei neuen Berufsprofilen womöglich daran, ob Seelsorgende erreichbar sind, Menschen in existenziellen Situationen begleiten und vernetzt neue Formen von Kirche gestalten. In ihrer wechselseitigen Ergänzung bilden sie notwendige pastorale Profile der Zukunft und liefern Kriterien für anstehende Exnovationsprozesse in der Kirche.